Episode 7
Global Epic Fail No 7 - World Succession Deed
KAPITEL 7 – JONES, DER UNVERGESSENE
Manche Menschen sterben zweimal. Einmal körperlich. Und ein zweites Mal, wenn niemand mehr von ihnen spricht.
Jones ist nie ein zweites Mal gestorben.
Ende der 1980er Jahre saß er vor einem Punk-Konzert auf dem Boden und sammelte 1,50 DM Eintritt ein. In zerrissenen Shorts, zwischen Skatern und Punks, wirkte er wie jeder andere Außenseiter. Aus Mitleid gab ich ihm ein paar Münzen.
Erst viel später erfuhr ich die Wahrheit.
Der angebliche Straßenpunk war einer der reichsten Jungen der Region. Hinter ihm standen Villen, Unternehmen und ein Millionenvermögen. Doch Geld bedeutete ihm wenig. Er liebte die Subkultur, die Musik und das Gefühl von Freiheit.
An diesem Abend standen wir gemeinsam in einem überfüllten Grindcore-Konzert. Die Luft war heiß, die Musik ohrenbetäubend, die Menge ein einziges Chaos aus Schweiß, Lärm und Pogo. Zwischen all dem entstand etwas Seltenes: eine echte Freundschaft.
Jahre vergingen.
Die Konzerte wurden Erinnerungen. Aus Jugendlichen wurden Erwachsene. Jeder ging seinen eigenen Weg.
Dann kam die Nachricht.
Jones war tot.
Gestorben in Neuseeland nach einem Sturz an einer abgelegenen Klippe.
Die Behörden sprachen von einem tragischen Unfall. Die Akten wurden geschlossen. Das Leben ging weiter.
Doch für diejenigen, die ihn kannten, blieb eine Leerstelle zurück.
Wenn ich heute an Jones denke, denke ich nicht an seinen Tod. Ich denke an den Jungen, der trotz Reichtum auf dem Boden saß und um 1,50 DM bettelte. An das Punk-Konzert. An das Lachen. An die Gespräche.
Manche Menschen hinterlassen Geld. Andere hinterlassen Erinnerungen.
Jones hinterließ beides.
Doch nur eines davon ist wirklich unsterblich.
R.I.P., Jones. Du bist nicht vergessen.
